7.1 Die Wohngruppe ist unmittelbarer Lebensraum des Kindes und vorrangiges Erziehungs-, Lern- und Experimentierfeld. Überschaubare und günstig gestaltete Rahmenbedingungen ermöglichen ein Klima positiver Entwicklungsanreize, in dem sich Störungen, Auffälligkeiten und unangemessene Verhaltensmuster verringern können. Wertschätzung als Person und die Anerkennung seiner vorhandenen Fähigkeiten tragen zum Aufbau eines positiven Selbstbildes bei. Maßvolle Forderungen, klare Regeln, verständnisvolle Versagungen und angemessene Konsequenzen bei Grenzverletzungen vermitteln ihm die notwendige Sicherheit und Orientierung, die es bislang oft nicht erfahren hat. Pflichten im persönlichen, häuslichen und gemeinschaftlichen Bereich gehören zu den realistischen Anforderungen des Gruppenalltags.
7.2 Schule und Hausaufgabenbetreuung bilden für Kinder und Erwachsene des Hauses eines der zentralen Themen im Erziehungsalltag, da schulische Erfolge bzw. Mißerfolge eng verknüpft sind mit Grundstimmung und Selbstwertgefühl. Um den Kindern weitreichende Benachteiligungen durch fehlende bzw. schlechte Schulabschlüsse möglichst zu ersparen, müssen ihre soziale Anpassungsfähigkeit verbessert und sie in die Lage versetzt werden, den Anforderungen im schulischen Bereich mehr und mehr gerecht zu werden.
Regelmäßige und kooperative Kontakte zu den jeweiligen Lehrern sind die Voraussetzung für eine kontinuierliche Information über Leistungs- und Sozialverhalten der Kinder sowie für eine abgestimmte, gemeinsame Handlungsstrategie in kritischen Phasen oder Situationen.
Damit sie die vorhandenen kognitiven und intellektuellen Potentiale umsetzen können, setzen wir - über eine intensive und individuelle Betreuung bei den Hausaufgaben hinaus - zielgerichtet Lernhilfen zum Ausgleich von Konzentrationsmängeln, Teilleistungsstörungen, lern- und motivationsbedingten Defiziten ein und arbeiten hin auf den allmählichen Erwerb eines weitgehend selbständigen und eigenverantwortlichen Arbeitsstils.
7.3 Freizeit hat im Bewußtsein der Kinder einen hohen Stellenwert. Anknüpfend an ihr Bedürfnis, motorisch zu agieren, zu spielen und Spaß zu haben, gibt es für alle vielfältige Möglichkeiten, diese Zeit mit angeleiteten und vorstrukturierten Aktivitäten wie auch mit selbst entwickelten Ideen und spontanen Einfällen kreativ und erlebnisreich zu gestalten oder eher inaktiv zu verbringen. - Die unterschiedlichen Fähigkeiten und Interessen der Mitarbeiter kommen den Kindern und Jugendlichen hierbei zu gute.
Bei all diesem Tun entwickeln sie ihre Fähigkeiten, überwinden Unsicherheit und Ängste, erleben Gemeinschaft, erfahren eigene Grenzen und die Notwendigkeit von Regeln im Spiel und im sozialen Umgang miteinander. - Aktivitäten mit besonderem Erlebnischarakter wie Voltigieren, Reiten, Wintersport, Klettern, Kanufahren, Surfen finden sowohl im Heimalltag als auch bei der Gestaltung des Ferienprogramms Berücksichtigung. -
Wir ermutigen die Kinder, einem ortsansässigen Verein (Fußball, Turnen, Schwimmen, Tanzen Tischtennis, usw.) oder einer Jugendgruppe beizutreten, bzw. wir unterstützen dahingehende Wünsche, um vorhandene Kontakte zu erweitern und Isolationstendenzen entgegenzuwirken.
In den Räumen der Außenwohngruppe (Eitorf, Siegstr. 107) haben wir ab dem 1.4.2000 - entsprechend der Nachfrage der Jugendämter - ein spezielles Angebot für jüngere Kinder bis zu einem Aufnahmealter von etwa 10 Jahren aufgebaut.
Die Intentionen für diese Gruppe waren bzw. sind:
l Optimierung des Förder- und Betreuungsrahmens für Kinder einer Entwicklungsstufe
l Begrenzung die Platzzahl auf 5 Plätze und Anhebung des Betreuungsschlüssels
l angemessenere räumliche Gestaltung und Atmosphäre für diese jüngeren Kinder
l bessere Nutzung eines vielfältigen Lern- und Medienangebots für diese Altersstufe
l einfache und klare, für alle fast gleiche soziale Regeln
Die inzwischen dort untergebrachten Kinder zeigen überwiegend erhebliche Defizite im intellektuellen und sozialen Verhalten. Aufgrund traumatischer Erlebnisse im Kleinkindalter (selbst bzw. in der Familie erlebte Gewalt- und Mißbrauchserfahrungen) ist die Fähigkeit zum Erwerb sozialer Kompetenzen deutlich verringert. Sie reagieren häufig unkontrolliert aggressiv und destruktiv, was eine ständige Präsenz von entsprechend fachlich qualifizierten Betreuern notwendig macht.
Da bei allen Kindern ein extrem hoher Betreuungsbedarf notwendig war, konnte im Rahmen der anstehenden Verhandlungen über die angemessene Höhe des Entgeltes mit den Kostenträgern ab August 2000 eine 1:1 - Betreuung für diese Kindergruppe vereinbart werden.
Um den individuell notwendigen Förderbedarf abzudecken, werden die Kinder so oft wie möglich im gezielten Einzelkontakt betreut. Darüber hinaus arbeiten die Mitarbeiter der Gruppe mit den betreffenden Schulen, Ärzten und Fachärzten, den in der Umgebung ansässigen Kinder-Psychotherapeuten sowie anderen Institutionen und Spezialisten (Musik-, Mal- und Reitangebote) besonders eng zusammen. Dabei werden sie von unserer Psychologin und Familientherapeutin (die auch die Familienarbeit koordiniert) intensiv beraten und unterstützt.